Good Stories

Einwegprodukt Wickelfolie

Montanuni sucht biologischen Ersatz

Wickelfolie ist ein Produkt, das den Endverbrauchern nur selten begegnet, am ehesten ähnelt sie der Frischhaltefolie, wie man sie aus der Küche kennt. Mit ihr werden Paletten umwickelt, um die drauf befindlichen Güter beim Transport zu sichern und zu schützen.

Fast 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfall fallen im Jahr in Europa an – 59 Prozent davon sind Verpackungen. An der Montanuniversität Leoben versuchen Forscher, die herkömmliche Wickelfolie durch ökologisch verträglichere und nachhaltigere Lösungen zu ersetzen.

EFFIE heißt das Projekt, an dem Michael Feuchter vom Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Prüfung der Kunststoffe an der Montanuniversität Leoben arbeitet. „Wir versuchen Verpackungen nachhaltiger zu gestalten“, schildert der Absolvent der Studienrichtung Industrieller Umweltschutz. „Dafür untersuchen wir verschiedene nachwachsende Rohstoffe auf ihre Eignung, aus ihnen Polymere herstellen zu können.“ Darüber hinaus werden Hochleistungsverbundwerkstoffe aus Naturfasern und biobasierten Matrixmaterialien sowie das Recycling von polymeren (Verbund)-Werkstoffen und Bauteilen erforscht.

Die Wickelfolie, mit der Paletten für den Transport gesichert und geschützt werden, ist ein Wegwerfprodukt. Feuchter: „Vor allem bei Palettenwicklungen in der produzierenden Industrie und im Handel besitzt Plastik den Status einer Einwegverpackung. Plastik als herkömmlicher Kunststoff basiert zu einem Großteil auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas, Kohle. Eine Substitution dieser durch biobasierte Kunststoffe im Sinne der Nachhaltigkeit ist zwingend notwendig.“

Unter der Leitung der Fraunhofer Austria Research GmbH haben sich die Partner Montanuniversität Leoben, Technische Universität Wien, PAMMINGER Verpackungstechnik Gesm.b.H. und Lenzing Plastics GmbH & Co KG zum Ziel gesetzt, die derzeit auf fossilen Rohstoffen basierenden Wickelfolien in der Palettenverpackung durch eine Wickelfolie aus biobasierten und recycelbaren Kunststoff zu ersetzen. „Es ist uns gelungen, Biopolymere zu finden, die grundsätzlich für den Einsatz als Wickelfolie geeignet sind“, schildert Feuchter.

Allerdings muss eine Wickelfolie einige Eigenschaften ausweisen, die nicht offensichtlich sind. So sollte sie an der Innenseite „klebrig“ bleiben, damit sie am Transportgut haften bleibt. „Bei Versuchen haben sieben bis acht Kandidaten eine grundsätzliche Eignung mitgebracht. Wir haben dann mehrere Materialien identifiziert, die einerseits aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können und andererseits die erforderlichen Hafteigenschaften mitbringen. Einige von ihnen könnten eins zu eins von bestehenden Wickelmaschinen übernommen werden.“

Ein Problem sind derzeit noch die Kosten für die biologischen Wickelfolien. „Unser Produkt liegt im Preis höher als die herkömmliche Folie“, räumt Feuchter ein. „Wir arbeiten deshalb daran, bestimmte Strukturen in die Folie einzuarbeiten, die wir uns von der Natur abgeschaut haben. Dadurch wollen wir die Folie widerstandsfähiger machen, dadurch mit weniger Material die benötigte Stabilität erreichen und so Rohstoffe und somit Kosten einsparen.“

Ein geringerer Materialeinsatz sei auch wegen des Rohstoffmangels erstrebenswert. „Momentan ist es schwierig, auf dem Weltmarkt Biomaterialien für die Polymerherstellung zu bekommen. Die Nachfrage nach diesen ökologisch unbedenklichen Substanzen ist enorm.“

Natürlich würde eine alternative Wickelfolie günstiger, wenn sie möglichst viel verwendet würde, ist der Leobener Forscher überzeugt. „Bei der Industrie wäre der Einsatz unserer Bio-Folie leicht, dort sind die Paletten immer gleich und die Verpackungsmaschinen leicht darauf einstellbar.“

Anders sehe die Situation im Handel aus, wo es eher um die Transportsicherheit geht. Dort, so Feuchter, werde eine im Zentrallager individuell für eine Filiale zusammengestellte Palette bis zu 40 Mal mit Folie umwickelt, um den Vorschriften zur Ladungssicherheit zu entsprechen. „Die Strafen bei Verstößen sind hoch, die Folie kostet für die einzelne Palette nur sehr wenig. Deshalb verwendet man lieber zu viel als zu wenig.“ Wir versuchen auch hier anzusetzen, indem wir intelligentere Paletten entwickeln, die sich mit weniger Folie sichern lassen.“

Kontakt:
www.unileoben.ac.at
www.kunststofftechnik.at

Fotocredit: AdobeStock (alexanderuhrin)

Science wird mit finanzieller Unterstützung in völliger Unabhängigkeit unter der redaktionellen Leitung von Andreas Kolb gestaltet.