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Die FFG setzt auf Klimarelevanz

Rund zehn Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung werden in den Bereichen Umwelt, Energie und Klimaschutz erzielt. 190.000 Jobs hängen an diesen Branchen. Kein Wunder, dass die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG ebenfalls auf Nachhaltigkeit setzt.

Insgesamt 165 Millionen € Förderung hat die FFG im Vorjahr in klimarelevante Projekte gepumpt – ein Viertel der gesamten FFG-Förderungsgelder. Bei der Entscheidung über eine Förderung ist Nachhaltigkeit ein fix verankertes Bewertungskriterium in einer Reihe von Förderprogrammen. In mehreren Programmen werden eingereichte Projekte auch danach bewertet, wie sie sich auf die Erreichung ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeitsziele auswirken. Projekte mit einer deutlich positiven Wirkung haben eine höhere Chance auf Förderung.

Die von der FFG mitfinanzierten klimarelevanten Projekte decken einen weiten Bereich ab: Sie reichen von alternativen Kältemitteln für Wärmepumpen über die nachhaltige Textilproduktion mit Biokunststoffen oder den Einsatz von Wasserstoff im Transportwesen bis hin zu einem „Energiekataster“, der zeigt, welche Gemeinde wie viel Energie verbraucht.

Eines der unterstützten Projekte läuft schon seit 2017 am Wechsel im steirisch-niederösterreichischen Grenzgebiet und ist ein Musterbeispiel für das Thema Nachhaltigkeit. Am Hochwechsel wurde ein Versuchsareal angelegt, in dem man beobachtet, welche Baumarten sich unter geänderten Klimabedingungen in höheren Lagen am besten bewähren.

Die Fichte, der wichtigste Baum in der heimischen Holzwirtschaft, kommt mit höheren Temperaturen und längeren Trockenphasen nämlich nicht besonders gut zurecht. Derzeit macht sie aber noch fast drei Viertel des Baumbestandes in den österreichischen Wäldern aus. Der Anteil ist allerdings seit Jahren leicht rückläufig – einerseits wegen der Temperaturempfindlichkeit der Fichte, andererseits, weil mit dem wachsenden ökologischen Bewusstsein wieder mehr Mischwälder angelegt werden.

Zusammen mit einem regionalen Forstbetrieb erforscht das Bundesamt und Forschungszentrum für Wald (BFW) am Hochwechsel auf zwei Hektar Fläche, welche Bäume mit den geänderten Klimabedingungen auf mehr als 1.000 Meter Seehöhe am besten zurechtkommen. „Die Wechsel-Region zwischen Niederösterreich und der Steiermark ist eigentlich der Fichtenhimmel“, sagt der Forstökologe Robert Jandl vom BFW. „Dennoch lässt sich seit Jahren beobachten, dass dort die natürliche Verjüngung nicht mehr klappt.“ Anders als noch vor 20 Jahren wachsen auf freien Stellen die Bäume nicht mehr von allein nach.

„Wir haben in einem Parzellenversuch 27 Baumarten gepflanzt, die derzeit in der Region kaum oder gar nicht vorkommen, die aber aufgrund von Expertenmeinungen Optionen für die Zukunft darstellen“, schildert Jandl. Neben der derzeit gängigen Hochlagen-Fichte wurden auch Fichten für Tieflagen gesetzt, außerdem Lärchen, Tannen, Zirben, Drehkiefern und Douglasien aus dem Nordwesten der USA. Außerdem wurden Laubhölzer gepflanzt, darunter Ahorn, Buche, Zitterpappel, Weidengewächse, Mehlbeere, Birne und Kirsche. Insgesamt wurden 4.500 Einzelbäume gesetzt.

Bis zum Ende des Vorjahres hat die FFG das Baumprojekt aus Mitteln des BRIDGE-Programms unterstützt. Dieses fördert Forschungskooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Inzwischen hat das BFW das Versuchsgebiet in sein permanentes Forschungs- und Beobachtungsprogramm übernommen. Auf Basis von Einzelbaumsimulationen am Computer ist genau festgelegt, wann in den nächsten Jahren welcher Baum entnommen werden soll, um den anderen ein optimales Wachstum zu ermöglichen.

„Das BRIDGE-Förderprogramm der FFG ist sehr praxisorientiert ausgelegt“, resümiert Jandl. „Das kommt auch uns als Organisation sehr entgegen. Dadurch, dass die beteiligten Unternehmen bei BRIDGE Eigenleistungen einbringen müssen, ist ihr Engagement sehr hoch und die Forschungsergebnisse werden von den Unternehmen stärker beachtet, als wenn man reine Auftragsforschung abliefern würde.“

Seit Herbst 2020 setzt das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie unter Leonore Gewessler über die FFG-Förderungen ein Klimaschutz-Konjunkturpaket um. 300 Millionen € werden dabei bis 2022 zusätzlich in smarte, klimaschonende Projekte gesteckt. Die Förderprogramme sind bewusst breit gehalten. Neu im Förderportfolio ist zum Beispiel der Öko-Scheck. Er hilft KMU und gemeinnützigen Organisationen unkompliziert mit bis zu 12.000 € dabei, klimaneutrale und nachhaltige Innovationen umzusetzen.

Auch andere Programme der Forschungsförderungsgesellschaft sind mit Mitteln aus dem Klimaschutz-Konjunkturpaket dotiert: Neben dem Unternehmensprojekt experimentelle Entwicklung für neue oder verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen sind das Green Frontrunner für die Qualität und Effizienz von Produktionsprozessen oder neuen Produkt-Innovationen, die Bauforschung PLUS für klimafreundlichen Mehrwert in der und durch die Bauwirtschaft sowie die Produktion der Zukunft für neue Technologien und Produktionsverfahren einer kohlenstoffarmen, ressourcenschonenden, kreislauforientierten und umweltfreundlichen Industrie.

Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG steht im Eigentum der Republik Österreich. Eigentümervertreter sind das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

Österreichische Forschungs­förderungsgesellschaft FFG
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