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Stimme mit Gewicht

Höchst anschauliche Konzeptkunst: Eine Schau in der Albertina gibt Einblick in das Schaffen von Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei.

Eine Schaufel zieht sich einen warmen Pelz über, zwei Schuhe paaren sich wie ineinander verkeilte Mistkäfer: Ai Weiwei befreit die Dinge von ihrem Gebrauchswert und fügt Fundstücke zu einer neuen Objektwelt zusammen. Gerade die frühen Objekte eines der einflussreichsten Künstler unserer Zeit verknüpfen nicht zusammengehörige Gegenstände zu einer überraschenden Rätselhaftigkeit.

Die bislang umfangreichste Retrospektive zu Ai Weiweis Werk „In Search of Humanity“ gibt bis zum 4. September 2022 in der Albertina Modern in Wien Einblick in alle Schaffensphasen der mehr als vier Jahrzehnte währenden Laufbahn. 1957 in Peking geboren verbringt Ai Weiwei seine Kindheit und Jugend in Verbannung. Sein Vater Ai Qing, einer der berühmtesten Dichter Chinas, gilt als Regimekritiker. Die Familie muss unter ärmlichsten Bedingungen in einem Lager in der Provinz Xinjiang in einem Erdloch leben. Fragmente, Deformationen und Überreste aller Arten in Ais Werk spiegeln das Erlebnis dieser schrecklichen Jahre der „Kulturrevolution“, ihres Vernichtungsfeldzugs im Dienst der maoistischen Umerziehung des Volkes.

Regimekritisch

Mit dem Tod von Mao darf Ai Qing nach Peking zurückkehren und wird rehabilitiert. Ai Weiwei schreibt sich an der Pekinger Filmakademie ein. Nach der Öffnung Chinas zum Westen geht er als einer der Ersten zum Studium in die USA, die Zeit ebenda prägt ihn künstlerisch. Zurück in China nimmt er später seine Tätigkeit als Architekt auf. 2005 startet Ai Weiwei einen regimekritischen Blog für Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Zerstörung der chinesischen Kultur. Dieser wird zunächst zensiert und 2009 geschlossen. Ai Weiwei, bereits international erfolgreich, wird zum ersten Mal festgenommen. Die Geheimpolizei hält ihn an einem unbekannten Ort fest. Er kommt nach 81 Tagen gegen Kaution frei, wird aber streng überwacht. Reisen ist ihm untersagt. Erst 2015 erhält Ai Weiwei seinen Pass von den chinesischen Behörden zurück und zieht nach Berlin.

Als Zeuge der Flüchtlingskrise macht er die weltweite Situation Flüchtender zum wichtigsten Thema und schafft mit am Strand hinterlassenen Schwimmwesten, die sich wie eine Lotosblume um eine tonnenschwere Kristallkugel legen, ein Monument wider das Vergessen. Ertrunkene Flüchtlinge, von Heuschrecken leergefressene Kornfelder oder die Navigationsroute der Sea-Watch 3 baut er aus bunten Legosteinen zu beunruhigenden Bildern.

Interpretationsraum

Readymades wie das Laufband von Julian Assange oder der mit geheimem NSA-Material gefüllte Stoffpanda lassen uns die Welt auf ungebräuchliche Weise wahrnehmen. Mit dem Gestaltungsprinzip der Verwandlung mittels Marmor setzt Ai Weiwei Dingen ein Denkmal: Er präsentiert seine Handschellen im kostbaren Gefäß einer edlen Vitrine. Die von diesen Metamorphosen ausgehende Verwirrung, die Verwandlung von Dingen in unbrauchbare Monumente, öffnet das Tor zu Assoziationen und Interpretationen – und steht für Konzeptkunst in ihrer anschaulichsten Form.

Die Ausstellung „In Search of  Humanity“ in der Albertina Modern in Wien zeigt 144 Objekte von Künstler und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei.

Fotocredit: Courtesy Ai Weiwei Studio, Foto © Gao Yuan

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