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„Lehrerfortbildung NEU“ hilft gegen PISA- Debakel

Die Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer – vor allem ihre didaktische Kompetenz – ist laut internationalen Untersuchungen ein wichtiges Kriterium für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. Darum müsse nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Fortbildung neu gedacht werden, fordert Elgrid Messner, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Steiermark.

Die österreichischen PISA-Ergebnisse sind trotz permanenter Reformen eher betrüblich. Was könnte helfen?

Die jüngste und wichtigste Reform im österreichischen Schulwesen war die Einführung der „PädagogInnenbildung NEU“ mit einem praxisorientierten und theoriegeleiteten akademischen Studium für alle Lehrerinnen und Lehrer von der Volksschule bis zur AHS/BHS. Die ersten Absolventinnen und Absolventen beginnen mit ihrer Arbeit aber erst 2019. Die positiven Auswirkungen werden wir also erst in ca. zwei Jahrzehnten statistisch erfassen können. Deswegen sind schnell wirkende Maßnahmen nötig. Wir wissen aus Studien wie der Hattie-Studie, dass sich wirksame Fortbildung unmittelbar in der Verbesserung der Schülerleistungen niederschlägt.

Heißt das, dass die bisherigen Fortbildungen wenig wirksam waren?

Vielleicht nicht in dem Ausmaß, das wünschenswert wäre. Man hat über lange Zeit den Schwerpunkt auf die punktuelle Kompetenzverbesserung und die individuellen Fortbildungswünsche der Lehrerinnen und Lehrer gelegt. Seit mehreren Jahren ist aber unter dem Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnisse ein Wandel feststellbar. Schulinterne und schulübergreifende Fortbildungen – SCHILFs und SCHÜLFs – werden den Bedürfnissen der Schulen entsprechend geplant und wenden sich an das ganze Lehrerteam. Das erlaubt den Schulleitungen z.B. gezielt auf Ergebnisse bei Standardtestungen zu reagieren. Darüber hinaus bieten die Pädagogischen Hochschulen längerfristige Entwicklungsbegleitung für Schulen. Erste Forschungsergebnisse zeigen auch hier einen positiven Einfluss auf die Lernergebnisse der Kinder.

Der Rechnungshof hat eben die Lehrerfortbildung kritisiert: Es gäbe weniger Veranstaltungen und die fänden nach wie vor in der Dienstzeit statt.

Die Kritik wurde, wo es möglich war, vom Ministerium bereits aufgegriffen: Fortbildungen werden in Zukunft verstärkt außerhalb der Kernzeit des Unterrichts stattfinden. Eine Ausnahme bilden die schon genannten schulinternen Fortbildungen, weil diese zumeist mehrtägig sind. Bei der Festsetzung der Termine muss außerdem auf die Abläufe im Schuljahr Rücksicht genommen werden, Monate mit Prüfungsphasen scheiden weitgehend aus. Dafür werden Fortbildungen in den Sommerferien von Jahr zu Jahr stärker in Anspruch genommen. Der vom Rechnungshof monierte Rückgang bei den Veranstaltungen bedeutet übrigens keineswegs einen Rückgang der Teilnehmerzahlen, weil an den SCHILFs und SCHÜLFs ganze Kollegien teilnehmen.

FACTBOX: LEHRER LERNEN LEBENSLANG


Die Pädagogischen Hochschulen sind für die Fortbildung aller Lehrerinnen und Lehrer von der Volksschule bis zur AHS/BHS zuständig. Seit Neuestem werden auch Fortbildungen für Elementarpädagoginnen und -pädagogen angeboten. Spezielle Fortbildungen für Lehrpersonen an berufsbildenden Schulen gibt es auch von anderen Organisationen oder Unternehmen.

AHS/BHS-Lehrpersonen sind zur Fort- und Weiterbildung während ihres gesamten Berufslebens verpflichtet. Pflichtschullehrpersonen müssen zumindest 15 Stunden Fortbildung im Schuljahr besuchen. Mit dem Inkrafttreten des neuen Dienstrechtes gilt diese Untergrenze auch für Lehrerinnen und Lehrer der AHS/BHS.

Immer mehr Fortbildungslehrveranstaltungen an den Pädagogischen Hochschulen finden in den Sommerferien statt: Waren es 2010 österreichweit noch 862 Veranstaltungen mit 1.304 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, so fanden im Sommer 2016 bereits 1.304 Veranstaltungen mit 31.134 Fortbildungswilligen statt.

Elgrid Messner     Elgrid Messner, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Steiermark

Foto: Foto Furgler

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