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JML Davis: Futuristische Parallel-Mythologie

Mit diesen Worten beginnt Jon Maximilian Leander Davis, kurz JML Davis, die „Produktbeschreibung“ seiner Kunst bei dem Gespräch in seinem Atelier in Graz. Der 100m2 große Raum gleicht einer Reizüberflutung.

„ONE MAY CONCEIVE MY ART AS SOME KIND OF POETRY. IT IS ABOUT AESTHETICS – IMPULSES, ABOUT AN ALTERNATE REALITY BROUGHT INTO OUR EXISTING WORLD. BEYOND LANGUAGE.“

Neben zahlreichen Bildern finden sich auch Skulpturen und unzählige weitere Kunstgegenstände. Der Arbeitsbereich sticht mit den vielen Farbtuben und anderen Materialien hervor. „Ich brauche viel um mich, ich sammle alles Mögliche. Andererseits bin ich auch froh, wenn ich in einer sterilen Räumlichkeit arbeite. Ich schwanke fortlaufend zwischen Plus und Minus“. Auf dem Schreibtisch in der Mitte finden sich Skizzen und kleine Modelle von zukünftigen Arbeiten. Im hinteren Bereich befindet sich eine Auswahl an Werken, welche plakativ aufgestellt sind. „Ich brauche die Beschäftigung mit meinen Arbeiten und habe immer mehrere permanent in Sichtweite, bis diese ihren Weg zu Ausstellungen oder zu Sammlern antreten“, spricht Davis. Seine Kunst zeugt vom spontanen Ausdruck seiner Gedankensprünge, welche sich erst nach längerem Betrachten der farblich diversen und symbolisch ausdrucksstarken Variationen erschließen. Somit wird deutlich, dass das Interesse vor allem auf dem Unsichtbaren, mit dem freien Auge nicht sofort Erkennbaren liegt.

2011 kann als das Jahr seiner malerischen Erweckung gesehen werden. Das genaue Datum scheint hier nicht auf, war es doch eine spontane Entscheidung von JML Davis. Ein unterbewusster Ruf, der ihn wie an einem unsichtbaren Seil zu sich gezogen hat und dessen Auswirkung sich in ihm hypnotisch manifestierte. Sein innerer Drang, der sich in späterer Folge in Form von manischen Ausartungen zeigte, bewegte ihn dazu, ein beachtliches Werk zu schaffen und der Welt seinen Gedankenkosmos zu präsentieren.

Davis’ künstlerischer Werdegang kann so beschrieben werden, dass nach der „Erweckung“ im Jahre 2011 und der Produktion der ersten Bilder viele Gruppenausstellungen folgten, die ihm die Möglichkeit gaben, außergewöhnliche Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen, welches unerlässlich für die geistige sowie technische Entwicklung war. Seine Bilder fanden Anklang in mehreren Galerien und bei einigen privaten internationalen Sammlern, die auf mehreren Kontinenten vertreten sind. Pisa, Dublin, Kapstadt, Montreal, Paris: Das sind alles nur Beispiele für Orte, an denen die Kunst des Grazers bereits Aufsehen erregte. Sein Lieblingsort zum Malen ist ein Anwesen in einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Pisa/Italien. „Ich bringe dort jeden Sommer viele Werke fertig, die Kultur, das Licht, die echte Tomate, die Sterilität und das Exil und der daraus resultierende Fokus sind dafür mitverantwortlich.“

Die zumeist großformatigen Bilder stehen in ihrer Konstellation für sich, mit Ausnahme einiger Zyklen oder Serien, die ihre verdeckte Geschichte über mehrere Formate hinweg erzählen. Davis’ gedanklicher Kosmos überträgt sich im Rahmen seines künstlerischen Schaffens auf seine Bilder und soll dort langfristig verewigt werden. Wie eine Figur, die sich dehnt und streckt, die ausbrechen möchte, so sieht man häufig nicht nur Charaktere auf seinen Leinwänden, sondern genau so kann auch sein künstlerischer Werdegang betrachtet werden.

Die Motive und Symbole, welche sich auf den Werken wiederfinden, lassen sich auf geschichtlich nachgewiesene Vorgänge oder Charaktere zurückführen, die auf die Leinwände projiziert, interpretiert und auf diese Weise dargestellt werden. Auch alltägliche Vorgänge oder Thematiken, unabhängig von Kultur- und Zeitgeschichte, werden von Davis aufgegriffen und mit Fantasie auf die Leinwand übertragen. Momentan befasst er sich mit Themen der griechischen Mythologie und den Charakteren, die dahinterstecken. Als leidenschaftlicher Sammler von Büchern finden sich auch immer wieder Thematiken einzelner Schriftsteller und Poeten auf seinen Arbeiten. Die abstrakten Porträtfigurationen, welche dabei entstehen, erzählen Geschichten, die oftmals erst nach längerem Betrachten ersichtlich werden. Oft stellen sie auch eine Momentaufnahme dar, die unabhängig von dem Hintergrund der betrachtenden Person unaufhörlich nach unbändigem Leben und Macht schreit und auch so aufgefasst werden kann. Somit ist der Betrachtungswinkel immer präsent und die Figur, welche voyeuristische Ansätze zeigt, tritt auf den großflächigen Formaten in den Vordergrund. Dieser von Davis als Voyeur dargestellte Charakter blickt in eine bestimmte Richtung und schwebt wie ein Demoklesseschwert über der Szenerie der betrachtenden Personen. „Er ist der Inbegriff des machtausübenden, allumfassenden Wesens“, spricht Davis und bezeichnet die Geschichten in seinen Bildern als „futuristische Parallelmythologie“.

Davis sucht in seinen Bildern nach der gedanklichen Freiheit und der „Kraft des spontanen Ausdrucks“, wie er es bezeichnet. Er nutzt also seine eigenen, oftmals im Alltag spontan auftretenden Inspirationsquellen, die er aus seinem Gedankengut schöpft, und kombiniert diese Ideen mit seiner bisherigen Erfahrung in den verschiedensten Lebensbereichen. Diese fortwährend entstehenden Inspirationsquellen verleiten ihn zu Bildprogrammen, welche ihn dazu motivieren, immer weiter an einem Konzept zu arbeiten und stets auf der Suche nach dem perfekten Bild zu sein, welches jedoch so nie zu realisieren scheint. Es ist Davis ein Anliegen, den Betrachter dazu anzuregen, den eigenen gedanklichen Kosmos zu nutzen und Dinge wahrzunehmen, die ein anderer vielleicht so nicht sieht. „Die gedankliche Freiheit ist einzigartig und soll im Rahmen meiner Werke verständlich gemacht werden. Derartige Stimulanzen resultieren aus metaphorischen Assoziationsketten“, erklärt der Grazer Künstler.

Was JML Davis, abgesehen davon, dass er Autodidakt ist, von anderen künstlerisch Schaffenden unterscheidet, ist wohl seine Arbeitshaltung und seine konsequent durchgezogene Linie. „Ich habe mir meine eigene, unabhängige Welt erschaffen. Meinen Kosmos, der sich in meinem Atelier in den über 400 großformatigen Bildern widerspiegelt“, spricht Davis. Davis Bilder sind konsequent durchdacht, es liegen Überlegungen in ihnen, die oft bis in das kleinste Detail erarbeitet wurden. Viele andere KünstlerInnen arbeiten an einzelnen Bildern. Das ist bei Davis nicht so. „Ich sehe meine Kunst als ein großes Gesamtwerk und Manifest, mit dem ich mich noch lange nach Abschluss einzelner Bilder beschäftige, um die Ideen, die dahinterstecken, weiterzuentwickeln. Mein Hauptaugenmerk liegt hierbei nicht auf der Technik, sondern auf dem gedanklichen Ausdruck – auf Form, Farbe und Details.“

Davis braucht zusehends länger für seine Arbeiten, da diese immer komplexer werden, was einen langwierigen Denkprozess voraussetzt. „Weil sich 80 % meiner Arbeit im Kopf abspielen, nutze ich meine sogenannten „Studio-Downtimes“ dazu, mir Bildwelten auszudenken, deren malerische Fertigstellungsschritte ich dann in To-do-Listen vermerke“, meint der Künstler. „Ich verbringe mehr Zeit mit dem Nachdenken und Sitzen, als mit der eigentlichen Aktion. Es braucht den richtigen Moment und die richtige Zeit“. So wartet im Kopf des Künstlers bereits eine ganze Reihe neuer Bilder darauf, realisiert zu werden.

JOEY DAVIS
info@joey-davis.com
www.joey-davis.com
instagram.com/leander_davis
instagram.com/jml_davis

Fotos: JML Davis

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